• Dan Brown’s ‘Das Verlorene Symbol’ und Intention

    Wie schon in seinen vorherigen Büchern ‘Illuminati’ und ‘Sakrileg’, fesselt der Bestseller-Autor Dan Brown seine Leser mit wieder einmal mit einer Mischung aus Thriller, historischer Abhandlung und Provokation. Wie schon zuvor lässt er seinen Held Robert Langdon Dinge erleben und Theorien reflektieren, die mit Sicherheit große Diskussionen und Kontroversen auslösen werden. So ist zum Beispiel die Tatsache, dass viele der Gründerväter der USA Freimaurer waren und die Regierungsgebäude in Washington in dieser Tradition stehen, ebenso interessant wie überraschend. Doch was in noch größerem Umfang erstaunt, sind die Theorien über Realtiät und Bewusstsein, die Brown in seinem neuen Buch darlegt und die er durch die sogenannte Noetische Wissenschaft bestätigt sieht.

    Katherine Solomon, eine Figur in seiner Geschichte, forscht in diesem Bereich, der nach Brown in den letzten Jahren neue Einblicke in die Kraft des menschlichen Bewusstseins gewährt. Des weiteren nennt er zwei wissenschaftliche Institute, die in Wirklichkeit existieren. Und wie schon zuvor im Sakrileg nennt er ein konkretes Buch und dieses Mal auch eine website, die seine Thesen untermauern sollen. Im Wesentlichen geht es dabei um die Frage, inwieweit Gedanken Materie beeinflussen können. Vor einigen Jahren hätte man das als schlichten Unfug abgetan, doch gibt es inzwischen eine solche Fülle an esoterischer oder ‘New Age’ Literatur, zuletzt noch bekannter geworden durch die Bewegung um The Secret – Das Geheimnis und The Law of Attraction, dass es sich lohnt einmal genauer hinzusehen. Denn wenn darin auch nur ein Körnchen Wahrheit stecken würde, dann hätte das gravierende Auswirkungen auf die allgemeine Sicht der Realität!

    Das Buch, auf das Dan Brown sich bezieht, heißt Intention und ist von der britischen Wissenschaftsautorin Lynn McTaggart. Schon in der Einleitung heißt es, dass das Buch auf der Prämisse beruht, dass Gedanken materielle Realität beeinflussen. Weiter heißt es: „Zahlreiche Untersuchungen zur Beschaffenheit des Bewusstseins, die im Laufe von über dreißig Jahren weltweit in angesehenen Instituten durchgeführt wurden, zeigen, dass Gedanken alles beeinflussen können, von den einfachsten Maschinen bis hin zu den komplexesten Lebewesen.(…) Jeder Gedanke, den wir haben, ist eine konkrete Energie, die transformieren kann. Ein Gedanke ist nicht nur ein Ding; ein Gedanke ist ein Ding, das andere Dinge beeinflusst“ (S.15).

     October 17th, 2009  admin   3 comments

  • Materiewellen und unsere physikalische Realität

    Ein Haupthindernis für die Akzeptanz der Ergebnisse der Noetischen Wissenschaften ist der Glaube daran, dass unsere Realität aus getrennten Objekten besteht, die sich nur durch die Einwirkung physischer, erklärbarer Kräfte beeinflussen lassen. Dieses Paradigma der Newton’schen Physik wurde zwar schon vor über hundert Jahren durch Quantenmechanik und Relativitätstheorie über den Haufen geworfen, doch gelten die Vorhersagen dieser beiden Theorien nur für die Welt sehr kleiner, oder sehr großer Phänomene, also die Vorgänge in Atomen und darunter einerseits, und die kosmischen Vorgänge in unserem Weltall andererseits.

    Für die normale Alltagswelt und die Größendimensionen, mit denen wir tagtäglich zu tun haben werden sowohl in der Physik, als auch in unserer Realitätskonzeption, noch die Gesetze der klassischen Physik angewendet. Die Ausnahme bilden elektromagnetische Phänomene, die wiederum anderen Gesetzen gehorchen: hier gibt es Ladungen, Ströme, Magnetfelder, Radiowellen und so weiter, die sich mithilfe von elektromagnetischen Gleichungen vorhersagen lassen. Diese Phänomene werden jedoch meist getrennt von jeglicher Festkörpereigenschaft gesehen, normale Objekte werden kaum als Erzeuger von Feldern oder Wellen betrachtet.

    Das diese Trennung zwischen traditioneller Mechanik und Quantenmechanik sowie Elektromagnetismus nicht ganz aufrecht zu erhalten ist, ist auch schon lange bekannt. Im Jahre 1929 erhielt Louis de Broglie den Nobelpreis für Physik für seine Postulierung sogenannter Materiewellen, die in den Jahren zuvor auch schon experimentell nachgewiesen werden konnten. Er wies für Elektronen nach, dass sie gleichzeitig zu ihrer Eigenschaft als Teilchen auch Wellennatur besitzen, und somit auch Welleneigenschaften wie beispielsweise Interferenz oder Brechung zeigen. Nach seiner Theorie befindet sich das Teilchen somit auf der potenziellen Welle, die es gleichzeitig beschreibt, ähnlich wie ein Korken auf einer Welle auf dem Wasser schwimmt und ihren Wellenbergen und Wellentälern folgt. Dieser Welle-Teilchen-Dualismus, der für Licht mit dem berühmten Doppelspalt-Experiment nachgewiesen wurde, gilt somit auch für Elektronen, die kleinsten Bausteine unserer Materie.

    Inzwischen wurden aber die Grenzen zwischen Quantenwelt und unserer ‘physischen’ Realität weiter aufgeweicht. So wurden Materiewellen sogar für Moleküle nachgewiesen, die aus 60 Kohlenstoffatomen bestehen, den sogenannten Buckyballs (C60). Schießt man diese Miniaturfußbälle durch ein Kristallgitter, so bildet sich nicht ein einfaches Abbild heraus, wie man es bei ‘normaler’ Materie erwarten würde, sondern es bilden sich Interferenzmuster, die den Wellencharakter der Materie beschreiben. Die örtliche Verschiebung ist enorm. Die Moleküle beschreiben eine Bahn, die von der Bahn, die die klassische Physik beschreibt, um ein vielhundertfaches ihres Durchmessers abweicht. Um ein Bild zu verwenden: Für die Größe eines normalen Fußballs würde das bedeuten, dass die klassische Physik eine Position beschreibt, die bis zu der Länge eines Fußballfeldes von der tatsächlichen Position abweicht, die mit quantenmechanischen Gleichungen beschrieben wird.

    Welche Auswirkungen diese Quanteneigenschaften von Molekülen auf unseren Alltag haben, ist nicht bekannt. Aber es wäre logisch anzunehmen, dass Materiewellen für alle physikalischen Körper gegeben sind, und dass diese auch anhand ihrer Welleneigenschaften wechselwirken können. Freilich gibt es zu einer solchen Wechselwirkung momentan allerhöchstens Grundlagenforschung. Aber mögliche Beeinflussungen, die nach dem Weltbild der klassischen Physik völlig unmöglich scheinen, lassen sich nicht gänzlich ausschließen, immerhin besagt ein weiteres Grundpostulat der Quantentheorie, dass die Position eines Teilchens immer durch den Beobachter mitbestimmt wird. Auch die Position des Teilchens nicht mehr definitiv, sondern nur mithilfe von Wahrscheinlichkeiten vorhersagbar, die einen Möglichkeitsraum beschreiben. Und mögliche Quantenwechselwirkungen sind für Moleküle auch nicht mehr undenkbar, Vorschläge zu ihrer Erforschung gibt es bereits. Unsere feste, determinierte Welt ist also auf mehr ‘Wahrscheinlichkeitssand’ gebaut, als man allgemein annimmt.

     July 1st, 2013  admin   No comments

  • Quanteneffekte zum Geld verdienen?

    Eignet sich Noetische Wissenschaft für den Alltag? Kann man mit seiner Intuition Geld verdienen? Wenn Effekte über räumliche Grenzen möglich sind – kann man dann nicht vielleicht intuitiv die richtigen Kaufentscheidungen treffen?

     

    Die Experimente, die Lynne McTaggart in ihrem Buch Intention beschreibt, beziehen sich hauptsächlich auf heilerische Fähigkeiten oder die Wahrnehmung und Beeinflussung emotionaler Zustände in anderen Personen, die sich räumlich getrennt voneinander aufhalten. Im Vorgängerbuch ‘Das Nullpunkt Feld’ findet sich ein jedoch interessantes Kapitel, das beschreibt, wie Informationen über Fernwahrnehmung erkannt werden können, scheinbar unabhängig von räumlicher Nähe.

     

    Die Experimente über das Identifizieren und Ausspähen entfernter Orte durch Probanden begannen in den 70er Jahren an einem Institut der Stanford University in Californien. Das scheinbar unglaubliche Phänomen, dass Menschen – teilweise sogar ungeschult – Orte identifizieren und beschreiben konnten, über die sie lediglich die Koordinaten wussten, oder wo sich ein anderer Proband gerade aufhielt, wurde so nach strengsten wissenschaftlichen Kriterien belegt. Auch die CIA wurde auf das Programm aufmerksam und investierte in den folgenden Jahrzehnten 20 Millionen Dollar in das Remote Viewing. Die Informationen konnten so verlässlich und kostengünstig beschafft werden, dass begabte Seher während der Geiselnahme von Botschaftsangestellten im Iran 1981, im Golfkrieg 1992 und bei vielen anderen Gelegenheiten zum Einsatz kamen, um militärische Informationen auszuspähen. Zwar wurde das Projekt ‘Star Gate’ 1995 für beendet erklärt, ehemalige Mitarbeiter vermuten jedoch, dass ein neues, noch geheimeres Programm aufgelegt wurde.

     

    Ob sich solche Remote Viewing Fähigkeiten jedoch für den Kapitalhandel eignen kann man bezweifeln. Denn erstens ist wohl ein jahrelanges Training vonnöten, um verlässliche Ergebnisse zu erzielen. Auch gestaltet sich die Wahrnehmung von Buchstaben und Nummern besonders schwer. Schließlich hat jeder Remote Viewer seine eigenen Stärken und Schwächen, weshalb die CIA immer große Gruppen von Spähern einsetzte, die sich in ihren Fähigkeiten gegenseitig ergänzen konnten. Und je weniger man über das auszuspähende Objekt weiß, desto bessere Ergebnisse lassen sich erzielen, da eigene Interpretationen und Analysen das Ergebnis der Fernwahrnehmung sehr verschlechtern. McTaggart zitiert die Forscher mit dem Vergleich, dass es scheint, als würden die Probanden nur wenige Bits an Informationen über eine schlechte Datenrate erhalten. Daher sind sie oft verzerrt und ähneln mehr Bildern, die man aus nächtlichen Träumen erinnert, als Daten, auf die man sein Geld verwetten möchte!

     

    Ähnlich unzuverlässig sind auch menschliche Emotionen, wenn es um Kapitalhandel geht. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ vom 20.7.2012) beschreibt John Cotes, ehemaliger Börsenhändler und Forscher, wie Börsenhändler sich von ihren Emotionen und Hormonen leiten und verleiten lassen, was schließlich zu großen Verlusten führen kann.

    Nach Cotes geht es an Börsen und Handelsplattformen zu wie bei jagenden Tieren So lässt ein Überangebot an leichter Beute und Jagderfolg den Testosteronspiegel von Haifischen steigen, was sie wiederum angriffslustiger und risikofreudiger handeln lässt. Steigert sich der Hormonspiegel jedoch zu sehr, werden sie unvorsichtig, schätzen Risiken falsch ein und handeln unvernünftig, wie auf Drogen. Ähnliches konnte Cotes bei Händlern der Londoner Börse feststellen, bei denen Gewinne den Testosteronspiegel steigen ließen. Seiner Meinung nach lassen sich daher erfolgreiche Händler mehr und mehr auf riskante Geschäfte ein, die schließlich zu hohen Verlusten führen können, oft höher als die vorausgehenden Gewinne. Die Banken verstärken diese Dynamik zusätzlich, da sie die Risikolimits erfolgreicher Händler erhöhen.

     

    Umgekehrt werden Banken und Händler übervorsichtig, wenn die Zeiten schlecht sind und die Geschäfte schlecht laufen. Innerer Stress lässt sie misstrauisch werden, sie sind nicht bereit Geld auszugeben oder zu verleihen, auch wenn es vernünftig und profitabel wäre. Das ist eine mögliche Erklärung für eingefrorene Märkte nach dem Platzen von Blasen.

    In beiden Fällen lassen sich Händler also von Gefühlen und Hormonen leiten, und handeln irrational Das ist weder geschäftsdienlich, noch entspricht es dem ökonomischen Standardmodell, nach dem nur Angebot und Nachfrage die Handelsverläufe bestimmen.

     

    Der erfolgreichste Händler der Welt, Warren Buffett, verlässt sich daher nie auf seine Emotionen. In seiner Biografie wird beschrieben, wie er schon als 16jähriger beim Wetten auf Rennpferde lernte, dass emotionales Handeln nur zu Verlusten führt, und dass das verlässlichste Kriterium für Erfolg ein Maximum an Information ist – später übertrug er dieses Prinzip auf den Handel mit Aktien. Buffet kauft nur Aktien von Unternehmen, die er verstanden und untersucht, und für solide und verlässlich befunden hat – jenseits aller Psychologie!

     October 4th, 2012  admin   No comments

  • Noetische Wissenschaft und Quantenphysik

    Zu Beginn ihres Buches Intention beschreibt Lynne McTaggart die Konsequenzen der Erkenntnisse der Quantenphysik für das wissenschaftliche Weltbild. Erstaunlicherweise gilt die Prämisse, dass die Materie nicht durch Bewusstsein zu beeinflussen ist in der Physik schon lange nicht mehr! Schon in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde diese Sichtweise durch die Entdeckungen in der Quantenphysik überholt. Was bis heute das gängige Weltbild bestimmt, nämlich die Annahmen, dass 1. alle Dinge getrennt voneinander und 2. unser Bewusstsein unabhängig von den Dingen und der Welt existieren, hatten die Physik seit Newtons Theorien aus dem 17. Jahrhundert bestimmt. Doch die Quantenphysiker um Niels Bohr und Werner Heisenberg entdeckten Phänomene, die diesen Annahmen völlig widersprachen. So kann man Teilchen auf Quantenebene nur durch Wahrscheinlichkeiten beschreiben. Schaut man z.B. ein Elektron an, so kann man es nicht genau lokalisieren und bestimmen. Man kann nie gleichzeitig seine Geschwindigkeit und Position beschreiben. Es geht entweder nur das eine, oder das andere, aber nie beides! Bekannt ist dieses Phänomen unter dem Namen ‘Unschärferelation‘. Anstatt eine feste Bahn eines Elektrons um den Atomkern zu beschreiben, kann man ihm nur eine Wahrscheinlichkeitswolke zuweisen, d.h. Man kann voraussagen mit welcher Wahrscheinlichkeit sich das Teilchen zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort befindet.

    Das wirklich erstaunliche daran ist aber, dass es vom wissenschaftlichen Beobachter abhängt, welche Eigenschaft des Teilchens sich bestimmen lässt: die Geschwindigkeit oder der Ort. Ähnlich verhält es sich bei Lichtteilchen: Es hängt vom Beobachter ab, ob diese als Teilchen oder als Welle ‘erscheinen’. Die Physiker folgerten, dass die Materie „nicht fest und solide sei, ja, das sie noch gar nichts sei. Die subatomare Realität ähnele nicht einem soliden und verlässlichen Zustand, den uns die klassische Wissenschaft beschreibt, sondern eher einer flüchtigen Wahrscheinlichkeit scheinbar unendlicher Möglichkeiten“ (Lynne McTaggart Intention, S.17). Und welche dieser Möglichkeiten schließlich beobachtbar oder erfahrbar wird wir vom Beobachter mitbestimmt. Dieser sogenannte ‘Beobachtereffekt’ zeigt, dass wir nicht getrennt von der Welt existieren. Der Physiker Fritjof Capra hat diese Phänomene ausführlich in seinem Buch Das Tao der Physik: Die Konvergenz von westlicher Wissenschaft und östlicher Philosophie beschrieben: „Der menschliche Beobachter bildet immer das Schlußglied in der Kette von Beobachtungsvorgängen, und die Eigenschaften eines atomaren Objekts können nur in Begriffen der Wechselwirkung zwischen Objekt und Beobachter verstanden werden. Dies heißt, daß die klassische Vorstellung einer objektiven Beschreibung der Natur nicht mehr gilt. (…) In der Atomphysik können wir nie über die Natur sprechen, ohne gleichzeitig über uns selbst zu sprechen. (S.68)“.

    Die Voraussetzung, dass die Dinge getrennt voneinander existieren, lässt sich auf der Quantenebene ebenfalls nicht aufrecht erhalten. So gibt es die sog. ‘Quantenverknüpfung’. Quantenteilchen können verknüpft sein, so dass der Zustand des einen Teilchens gleichzeitig vom anderen Teilchen übernommen wird, unabhängig von räumlicher Trennung. Auf der Ebene der kleinsten Teilchen erscheint die Welt als ein Netz, in dem alles miteinander verbunden ist. Capra beschreibt diese Zusammenhänge in seinem Buch sehr ausführlich, und findet viele Parallelen zu den Weisheiten des Hinduismus und Taoismus und zu westlichen Mystikern. Auch die Quantenphysiker der 20er Jahre wahren beeindruckt von diesen völlig unerwarteten Eigenschaften unserer Realtität und bedienten sich östlicher Weisheiten um ihre Entdeckungen zu beschreiben. Die noetische Wissenschaft oder Sichtweise ist also durchaus nicht neu, wenigstens in ihren Grundlagen – ähnlich stellt es ja auch Dan Brown in seinem Buch dar. Die Entdeckungen der Quantenphysik haben jedoch kaum Eingang in unser alltägliches Weltverständnis gefunden, und die meisten Physiker nahmen an, dass diese Art von Phänomenen in der Welt ‘großer’ Objekte keine Gültigkeit habe.

     October 26th, 2009  admin   2 comments