• Materiewellen und unsere physikalische Realität

    Ein Haupthindernis für die Akzeptanz der Ergebnisse der Noetischen Wissenschaften ist der Glaube daran, dass unsere Realität aus getrennten Objekten besteht, die sich nur durch die Einwirkung physischer, erklärbarer Kräfte beeinflussen lassen. Dieses Paradigma der Newton’schen Physik wurde zwar schon vor über hundert Jahren durch Quantenmechanik und Relativitätstheorie über den Haufen geworfen, doch gelten die Vorhersagen dieser beiden Theorien nur für die Welt sehr kleiner, oder sehr großer Phänomene, also die Vorgänge in Atomen und darunter einerseits, und die kosmischen Vorgänge in unserem Weltall andererseits.

    Für die normale Alltagswelt und die Größendimensionen, mit denen wir tagtäglich zu tun haben werden sowohl in der Physik, als auch in unserer Realitätskonzeption, noch die Gesetze der klassischen Physik angewendet. Die Ausnahme bilden elektromagnetische Phänomene, die wiederum anderen Gesetzen gehorchen: hier gibt es Ladungen, Ströme, Magnetfelder, Radiowellen und so weiter, die sich mithilfe von elektromagnetischen Gleichungen vorhersagen lassen. Diese Phänomene werden jedoch meist getrennt von jeglicher Festkörpereigenschaft gesehen, normale Objekte werden kaum als Erzeuger von Feldern oder Wellen betrachtet.

    Das diese Trennung zwischen traditioneller Mechanik und Quantenmechanik sowie Elektromagnetismus nicht ganz aufrecht zu erhalten ist, ist auch schon lange bekannt. Im Jahre 1929 erhielt Louis de Broglie den Nobelpreis für Physik für seine Postulierung sogenannter Materiewellen, die in den Jahren zuvor auch schon experimentell nachgewiesen werden konnten. Er wies für Elektronen nach, dass sie gleichzeitig zu ihrer Eigenschaft als Teilchen auch Wellennatur besitzen, und somit auch Welleneigenschaften wie beispielsweise Interferenz oder Brechung zeigen. Nach seiner Theorie befindet sich das Teilchen somit auf der potenziellen Welle, die es gleichzeitig beschreibt, ähnlich wie ein Korken auf einer Welle auf dem Wasser schwimmt und ihren Wellenbergen und Wellentälern folgt. Dieser Welle-Teilchen-Dualismus, der für Licht mit dem berühmten Doppelspalt-Experiment nachgewiesen wurde, gilt somit auch für Elektronen, die kleinsten Bausteine unserer Materie.

    Inzwischen wurden aber die Grenzen zwischen Quantenwelt und unserer ‘physischen’ Realität weiter aufgeweicht. So wurden Materiewellen sogar für Moleküle nachgewiesen, die aus 60 Kohlenstoffatomen bestehen, den sogenannten Buckyballs (C60). Schießt man diese Miniaturfußbälle durch ein Kristallgitter, so bildet sich nicht ein einfaches Abbild heraus, wie man es bei ‘normaler’ Materie erwarten würde, sondern es bilden sich Interferenzmuster, die den Wellencharakter der Materie beschreiben. Die örtliche Verschiebung ist enorm. Die Moleküle beschreiben eine Bahn, die von der Bahn, die die klassische Physik beschreibt, um ein vielhundertfaches ihres Durchmessers abweicht. Um ein Bild zu verwenden: Für die Größe eines normalen Fußballs würde das bedeuten, dass die klassische Physik eine Position beschreibt, die bis zu der Länge eines Fußballfeldes von der tatsächlichen Position abweicht, die mit quantenmechanischen Gleichungen beschrieben wird.

    Welche Auswirkungen diese Quanteneigenschaften von Molekülen auf unseren Alltag haben, ist nicht bekannt. Aber es wäre logisch anzunehmen, dass Materiewellen für alle physikalischen Körper gegeben sind, und dass diese auch anhand ihrer Welleneigenschaften wechselwirken können. Freilich gibt es zu einer solchen Wechselwirkung momentan allerhöchstens Grundlagenforschung. Aber mögliche Beeinflussungen, die nach dem Weltbild der klassischen Physik völlig unmöglich scheinen, lassen sich nicht gänzlich ausschließen, immerhin besagt ein weiteres Grundpostulat der Quantentheorie, dass die Position eines Teilchens immer durch den Beobachter mitbestimmt wird. Auch die Position des Teilchens nicht mehr definitiv, sondern nur mithilfe von Wahrscheinlichkeiten vorhersagbar, die einen Möglichkeitsraum beschreiben. Und mögliche Quantenwechselwirkungen sind für Moleküle auch nicht mehr undenkbar, Vorschläge zu ihrer Erforschung gibt es bereits. Unsere feste, determinierte Welt ist also auf mehr ‘Wahrscheinlichkeitssand’ gebaut, als man allgemein annimmt.

     July 1st, 2013  admin   No comments

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