• Noetische Wissenschaft und Quantenphysik

    Zu Beginn ihres Buches Intention beschreibt Lynne McTaggart die Konsequenzen der Erkenntnisse der Quantenphysik für das wissenschaftliche Weltbild. Erstaunlicherweise gilt die Prämisse, dass die Materie nicht durch Bewusstsein zu beeinflussen ist in der Physik schon lange nicht mehr! Schon in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde diese Sichtweise durch die Entdeckungen in der Quantenphysik überholt. Was bis heute das gängige Weltbild bestimmt, nämlich die Annahmen, dass 1. alle Dinge getrennt voneinander und 2. unser Bewusstsein unabhängig von den Dingen und der Welt existieren, hatten die Physik seit Newtons Theorien aus dem 17. Jahrhundert bestimmt. Doch die Quantenphysiker um Niels Bohr und Werner Heisenberg entdeckten Phänomene, die diesen Annahmen völlig widersprachen. So kann man Teilchen auf Quantenebene nur durch Wahrscheinlichkeiten beschreiben. Schaut man z.B. ein Elektron an, so kann man es nicht genau lokalisieren und bestimmen. Man kann nie gleichzeitig seine Geschwindigkeit und Position beschreiben. Es geht entweder nur das eine, oder das andere, aber nie beides! Bekannt ist dieses Phänomen unter dem Namen ‘Unschärferelation‘. Anstatt eine feste Bahn eines Elektrons um den Atomkern zu beschreiben, kann man ihm nur eine Wahrscheinlichkeitswolke zuweisen, d.h. Man kann voraussagen mit welcher Wahrscheinlichkeit sich das Teilchen zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort befindet.

    Das wirklich erstaunliche daran ist aber, dass es vom wissenschaftlichen Beobachter abhängt, welche Eigenschaft des Teilchens sich bestimmen lässt: die Geschwindigkeit oder der Ort. Ähnlich verhält es sich bei Lichtteilchen: Es hängt vom Beobachter ab, ob diese als Teilchen oder als Welle ‘erscheinen’. Die Physiker folgerten, dass die Materie „nicht fest und solide sei, ja, das sie noch gar nichts sei. Die subatomare Realität ähnele nicht einem soliden und verlässlichen Zustand, den uns die klassische Wissenschaft beschreibt, sondern eher einer flüchtigen Wahrscheinlichkeit scheinbar unendlicher Möglichkeiten“ (Lynne McTaggart Intention, S.17). Und welche dieser Möglichkeiten schließlich beobachtbar oder erfahrbar wird wir vom Beobachter mitbestimmt. Dieser sogenannte ‘Beobachtereffekt’ zeigt, dass wir nicht getrennt von der Welt existieren. Der Physiker Fritjof Capra hat diese Phänomene ausführlich in seinem Buch Das Tao der Physik: Die Konvergenz von westlicher Wissenschaft und östlicher Philosophie beschrieben: „Der menschliche Beobachter bildet immer das Schlußglied in der Kette von Beobachtungsvorgängen, und die Eigenschaften eines atomaren Objekts können nur in Begriffen der Wechselwirkung zwischen Objekt und Beobachter verstanden werden. Dies heißt, daß die klassische Vorstellung einer objektiven Beschreibung der Natur nicht mehr gilt. (…) In der Atomphysik können wir nie über die Natur sprechen, ohne gleichzeitig über uns selbst zu sprechen. (S.68)“.

    Die Voraussetzung, dass die Dinge getrennt voneinander existieren, lässt sich auf der Quantenebene ebenfalls nicht aufrecht erhalten. So gibt es die sog. ‘Quantenverknüpfung’. Quantenteilchen können verknüpft sein, so dass der Zustand des einen Teilchens gleichzeitig vom anderen Teilchen übernommen wird, unabhängig von räumlicher Trennung. Auf der Ebene der kleinsten Teilchen erscheint die Welt als ein Netz, in dem alles miteinander verbunden ist. Capra beschreibt diese Zusammenhänge in seinem Buch sehr ausführlich, und findet viele Parallelen zu den Weisheiten des Hinduismus und Taoismus und zu westlichen Mystikern. Auch die Quantenphysiker der 20er Jahre wahren beeindruckt von diesen völlig unerwarteten Eigenschaften unserer Realtität und bedienten sich östlicher Weisheiten um ihre Entdeckungen zu beschreiben. Die noetische Wissenschaft oder Sichtweise ist also durchaus nicht neu, wenigstens in ihren Grundlagen – ähnlich stellt es ja auch Dan Brown in seinem Buch dar. Die Entdeckungen der Quantenphysik haben jedoch kaum Eingang in unser alltägliches Weltverständnis gefunden, und die meisten Physiker nahmen an, dass diese Art von Phänomenen in der Welt ‘großer’ Objekte keine Gültigkeit habe.

     October 26th, 2009  admin   2 comments

    2 responses to “Noetische Wissenschaft und Quantenphysik”

    • Guten tag,
      ich finde diesen Artikel ausgesprochen gut, kurz und verstaendlich geschrieben und er hat mir sehr geholfen. Ich habe dieses `Verbundsystem´ bereits zu frueherer Zeit mit einfachen Worten beschrieben. Nun geht es mir darum, bestimmte neuronale Schaltkreise im brain des Menschen herauszufinden, die fuer die Formen einer `globalen Matrix´ zustaendig oder empfaenglich sind. Dabei bin ich sehr zuversichtlich.
      Schoenen Dank fuer Ihren Beitrag dazu
      mit freundlichen Gruessen
      J. Helmerichs

    • Vielen Dank für diese Darstellung ! Ich bin auch der Überzeugung, dass hier ein Zusammenhang zwischen geistigen Bewusstsein und der materiellen Welt besteht ! Es wird sicher noch einige Zeit benötigen, bis sich dieses Denken in die Köpfe der Menschen etabliert hat. Doch ich denke, das die Information im morphischen bzw. morphogenetischen Feld bereis abgespeichert ist und der Noetic – Gedanke sich so weiterpflanzen wird !
      Herzliche Grüsse und weiterhin gute Inspiration !
      A.Kasper


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