• Quanteneffekte zum Geld verdienen?

    Eignet sich Noetische Wissenschaft für den Alltag? Kann man mit seiner Intuition Geld verdienen? Wenn Effekte über räumliche Grenzen möglich sind – kann man dann nicht vielleicht intuitiv die richtigen Kaufentscheidungen treffen?

     

    Die Experimente, die Lynne McTaggart in ihrem Buch Intention beschreibt, beziehen sich hauptsächlich auf heilerische Fähigkeiten oder die Wahrnehmung und Beeinflussung emotionaler Zustände in anderen Personen, die sich räumlich getrennt voneinander aufhalten. Im Vorgängerbuch ‘Das Nullpunkt Feld’ findet sich ein jedoch interessantes Kapitel, das beschreibt, wie Informationen über Fernwahrnehmung erkannt werden können, scheinbar unabhängig von räumlicher Nähe.

     

    Die Experimente über das Identifizieren und Ausspähen entfernter Orte durch Probanden begannen in den 70er Jahren an einem Institut der Stanford University in Californien. Das scheinbar unglaubliche Phänomen, dass Menschen – teilweise sogar ungeschult – Orte identifizieren und beschreiben konnten, über die sie lediglich die Koordinaten wussten, oder wo sich ein anderer Proband gerade aufhielt, wurde so nach strengsten wissenschaftlichen Kriterien belegt. Auch die CIA wurde auf das Programm aufmerksam und investierte in den folgenden Jahrzehnten 20 Millionen Dollar in das Remote Viewing. Die Informationen konnten so verlässlich und kostengünstig beschafft werden, dass begabte Seher während der Geiselnahme von Botschaftsangestellten im Iran 1981, im Golfkrieg 1992 und bei vielen anderen Gelegenheiten zum Einsatz kamen, um militärische Informationen auszuspähen. Zwar wurde das Projekt ‘Star Gate’ 1995 für beendet erklärt, ehemalige Mitarbeiter vermuten jedoch, dass ein neues, noch geheimeres Programm aufgelegt wurde.

     

    Ob sich solche Remote Viewing Fähigkeiten jedoch für den Kapitalhandel eignen kann man bezweifeln. Denn erstens ist wohl ein jahrelanges Training vonnöten, um verlässliche Ergebnisse zu erzielen. Auch gestaltet sich die Wahrnehmung von Buchstaben und Nummern besonders schwer. Schließlich hat jeder Remote Viewer seine eigenen Stärken und Schwächen, weshalb die CIA immer große Gruppen von Spähern einsetzte, die sich in ihren Fähigkeiten gegenseitig ergänzen konnten. Und je weniger man über das auszuspähende Objekt weiß, desto bessere Ergebnisse lassen sich erzielen, da eigene Interpretationen und Analysen das Ergebnis der Fernwahrnehmung sehr verschlechtern. McTaggart zitiert die Forscher mit dem Vergleich, dass es scheint, als würden die Probanden nur wenige Bits an Informationen über eine schlechte Datenrate erhalten. Daher sind sie oft verzerrt und ähneln mehr Bildern, die man aus nächtlichen Träumen erinnert, als Daten, auf die man sein Geld verwetten möchte!

     

    Ähnlich unzuverlässig sind auch menschliche Emotionen, wenn es um Kapitalhandel geht. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ vom 20.7.2012) beschreibt John Cotes, ehemaliger Börsenhändler und Forscher, wie Börsenhändler sich von ihren Emotionen und Hormonen leiten und verleiten lassen, was schließlich zu großen Verlusten führen kann.

    Nach Cotes geht es an Börsen und Handelsplattformen zu wie bei jagenden Tieren So lässt ein Überangebot an leichter Beute und Jagderfolg den Testosteronspiegel von Haifischen steigen, was sie wiederum angriffslustiger und risikofreudiger handeln lässt. Steigert sich der Hormonspiegel jedoch zu sehr, werden sie unvorsichtig, schätzen Risiken falsch ein und handeln unvernünftig, wie auf Drogen. Ähnliches konnte Cotes bei Händlern der Londoner Börse feststellen, bei denen Gewinne den Testosteronspiegel steigen ließen. Seiner Meinung nach lassen sich daher erfolgreiche Händler mehr und mehr auf riskante Geschäfte ein, die schließlich zu hohen Verlusten führen können, oft höher als die vorausgehenden Gewinne. Die Banken verstärken diese Dynamik zusätzlich, da sie die Risikolimits erfolgreicher Händler erhöhen.

     

    Umgekehrt werden Banken und Händler übervorsichtig, wenn die Zeiten schlecht sind und die Geschäfte schlecht laufen. Innerer Stress lässt sie misstrauisch werden, sie sind nicht bereit Geld auszugeben oder zu verleihen, auch wenn es vernünftig und profitabel wäre. Das ist eine mögliche Erklärung für eingefrorene Märkte nach dem Platzen von Blasen.

    In beiden Fällen lassen sich Händler also von Gefühlen und Hormonen leiten, und handeln irrational Das ist weder geschäftsdienlich, noch entspricht es dem ökonomischen Standardmodell, nach dem nur Angebot und Nachfrage die Handelsverläufe bestimmen.

     

    Der erfolgreichste Händler der Welt, Warren Buffett, verlässt sich daher nie auf seine Emotionen. In seiner Biografie wird beschrieben, wie er schon als 16jähriger beim Wetten auf Rennpferde lernte, dass emotionales Handeln nur zu Verlusten führt, und dass das verlässlichste Kriterium für Erfolg ein Maximum an Information ist – später übertrug er dieses Prinzip auf den Handel mit Aktien. Buffet kauft nur Aktien von Unternehmen, die er verstanden und untersucht, und für solide und verlässlich befunden hat – jenseits aller Psychologie!

     October 4th, 2012  admin   No comments

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